Angststörungen
Beispiele für Angststörungen, welche den Schulalltag beeinträchtigen können und noch keinen Nachteilsausgleich erhalten, sind die folgenden ICD-10 Codes:
F40.0 (Agoraphobie), F40.01 (Agoraphobie mit einer Panikstörung), F40.1 (soziale Phobien), F41.0 (Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst)), F41.1 (generalisierte Angststörung).[1]
Mögliche physische Symptome:
Bei einer Angststörung können Symptome wie Kopfschmerzen, erhöhte Herzfrequenz und Blutdruck, Brustschmerzen, zittern, Schwindel, Ohnmacht, Schweissausbrüche, Atembeschwerden (Erstickungsgefühl), Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall und ein Gefühl von Unwirklichkeit und Verlust der Kontrolle bis zur Angst zu sterben auftreten.[2] In den folgenden Beispielen zu den spezifischen Angststörungen werde ich mich auf die psychischen Symptome konzentrieren, jedoch können jegliche Angststörungen auch von oben genannten physischen Symptomen begleitet werden.
Psychische Symptome:
Generalisierte Angststörung:
Betroffene einer generalisierten Angststörung können (wie AD(H)S-Erkrankte) unter Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Schüler*innen mit einer AD(H)S-Erkrankung kriegen im Ausgleich dafür mehr Zeit in den Prüfungen, Angsterkrankte allerdings nicht. Die Betroffenen leiden unter einer unkontrollierbaren Angst, welche den ganzen Alltag und das Leben beeinträchtigen, auch wenn keine reale Gefahr besteht.
Ebenfalls können Schlafstörungen und psychomotorische Unruhe folgen. Wer unter starker Angst leidet, kann oft keinen klaren Gedanken mehr fassen und erstarrt regelrecht.[3]
Eine Angststörung kann somit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der sozialen und schulischen Funktionsfähigkeiten führen. Ausserdem kann sie mehrere Jahre lang andauern, wobei die Störung schwankt und zeitweise schlimmer werden kann.[4]
Panikstörung:
Eine Panikattacke tritt unvorhersehbar auf, und ist vor allem in Prüfungssituationen sehr belastend. Sie wird als eine starke Angstreaktion bezeichnet, welche sich auch körperlich äussert. Sie äussert sich z.B. durch Herzklopfen, Brustschmerzen, Erstickungsgefühl, Schwindel und Entfremdungsgefühl (Depersonalisation oder Derealisation).[5]
Betroffene haben Angst vor einer erneuten Attacke und meiden daher Orte oder Handlungen. Soziale Situationen und tägliche Aufgaben können beängstigend erscheinen.[6]
Agoraphobie:
Menschen mit dieser Erkrankung fürchten sich davor, sich unter vielen Menschen zu befinden und im Notfall die Situation nicht schnell verlassen zu können. Sie meiden z.B. die öffentlichen Verkehrsmittel (generell das alleinige Reisen), öffentliche Plätze, Klassenzimmer, Lagersituationen, das Verlassen des Hauses oder sich in Menschenmengen zu befinden. Die Angst kann sich zu Panikattacken steigern, welche begleitet werden von negativen Gedanken. Die Schule kann zu einem angstbesetzten Ort werden, da sie solch stressige Orte versuchen zu meiden. Das kann zu häufigen Absenzen in der Schule führen. [7]
Soziale Phobie:
Soziale Phobie ist gekennzeichnet durch eine krankhafte Angst vor gesellschaftlichen und leistungsbezogenen Situationen, insbesondere vor Kritik und prüfenden Betrachtungen. Betroffene meiden Aufmerksamkeit, um nicht negativ aufzufallen und haben Angst vor negativer Beurteilung durch andere. Diese Angst kann dazu führen, dass sie sich im Klassenverband nicht einbringen können, was ihre Noten beeinträchtigen kann. Die Symptome können sowohl psychisch als auch physisch auftreten und sich bis zu Panikattacken steigern. Ausserdem können Betroffenen Dinge wie das Halten einer Präsentation oder eine Meinungsäusserung schwerfallen.[8]
Quellen:
[1] Horst Dilling u. a., Hrsg., Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F) klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage, unter Berücksichtigung der Änderungen entsprechend ICD-10-GM 2015 (Hogrefe Verlag, 2015).[2] „Angsterkrankung: Symptome und Diagnosen | News | Clienia AG - Führend in Psychiatrie und Psychotherapie“, zugegriffen 29. September 2024, https://www.clienia.ch/de/news/angsterkrankung-symptome-und-diagnosen/[3] „Generalisierte Angststörung im Kindes- und Jugendalter - Pädiatrie“, MSD Manual Profi-Ausgabe, https://www.msdmanuals.com/de/profi/pädiatrie/psychiatrische-erkrankungen-bei-kindern-und-jugendlichen/generalisierte-angststörung-im-kindes-und-jugendalter[4] „Generalisierte Angststörung - Psychische Gesundheitsstörungen“, MSD Manual Ausgabe für Patienten, https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsstörungen/angststörungen-und-belastungsstörungen/generalisierte-angststörung[5] Horst Dilling u. a., Hrsg., Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F) klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage, unter Berücksichtigung der Änderungen entsprechend ICD-10-GM 2015 (Hogrefe Verlag, 2015).[6] Jo Hemmings, Hrsg., Psychologie im Alltag: wie wir denken, fühlen und handeln, übers. von Annerose Sieck (DK, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2019).[7] „Agoraphobie - Psychische Gesundheitsstörungen“, MSD Manual Ausgabe für Patienten, zugegriffen 2. September 2024, https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsstörungen/angststörungen-und-belastungsstörungen/agoraphobie[8] „Soziale Angststörung - Psychische Gesundheitsstörungen“, MSD Manual Ausgabe für Patienten, zugegriffen 2. September 2024, https://www.msdmanuals.com/de/heim/psychische-gesundheitsstörungen/angststörungen-und-belastungsstörungen/soziale-angststörung